Kulturlandschaftserfassung 

 

 

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Definitionen

Der Begriff der Kulturlandschaft wird in internationalen Konventionen, europäischen Vorgaben und Konzepten sowie im deutschen Rechts- und Planungssystem in zunehmendem Maße verwendet. Das Raumordnungsgesetz (ROG 2008, § 2 Abs. 2 Nr. 5) besagt: "Kulturlandschaften sind zu erhalten und zu entwickeln. Historisch geprägte und gewachsene Kulturlandschaften sind in ihren prägenden Merkmalen und mit ihren Kultur- und Naturdenkmäler zu erhalten". Mehrere Definitionen des Begriffs "Kulturlandschaft" mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten sind möglich.

Kulturlandschaft

  1. "Die Kulturlandschaft ist das Ergebnis der Wechselwirkung zwischen naturräumlichen Gegebenheiten und menschlicher Einflussnahme im Verlauf der Geschichte. Dynamischer Wandel ist daher ein Wesensmerkmal der Kulturlandschaft. Dieser Begriff findet sowohl für den Typus als auch für einen regional abgrenzbaren Landschaftsausschnitt Verwendung.
    Die historische Kulturlandschaft ist ein Ausschnitt aus der aktuellen Kulturlandschaft, der durch historische, archäologische, kunsthistorische oder kulturhistorische Elemente und Strukturen geprägt wird. In der historischen Kulturlandschaft können Elemente, Strukturen und Bereiche aus unterschiedlichen zeitlichen Schichten nebeneinander und in Wechselwirkung miteinander vorkommen. Elemente und Strukturen einer Kulturlandschaft sind dann historische, wenn sie in der heutigen Zeit aus wirtschaftlichen, sozialen, politischen oder ästhetischen Gründen nicht mehr in der vorgefundenen Weise entstehen, geschaffen würden oder fortgesetzt werden, sie also aus einer abgeschlossenen Geschichtsepoche stammen.
    Die historische Kulturlandschaft ist Träger materieller geschichtlicher Überlieferung und im kann im Einzelfall eine eigene Wertigkeit im Sinn einer Denkmalbedeutung entfalten. Wesentlich dafür sind ablesbare und substanziell greifbare Elemente und Strukturen in der Landschaft, welchen man geschichtliche Bedeutung zumisst, ohne dass sie selbst denkmalwürdig sein müssen. Die historische Kulturlandschaft ist zugleich das Umfeld einzelner historischer Kulturlandschaftselemente oder Denkmale. Die Erhaltung einer historischen Kulturlandschaft oder ihrer Teile liegt in beiden Fällen im öffentlichen Interesse." (Zitat nach: Positionspapier der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger - 23. Sitzung Unterausschuss Denkmalpflege der Kultusministerkonferenz am 19./20.5. 2003 in Görlitz.)
  2. "Kulturlandschaften illustrieren die Evolution der menschlichen Gesellschaft und Besiedlung in der Zeit, unter dem Einfluss physischer Beeinträchtigungen und/oder Möglichkeiten der natürlichen Umgebung - sowie unter dem Einfluss aufeinanderfolgender und sowohl von außen wie von innen wirkender sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Kräfte. Sie sollten auf der Grundlage sowohl ihres herausragenden universellen Wertes als auch ihrer Repräsentativität hinsichtlich einer klar bestimmten geographischen Region wie auch für ihre Eignung ausgewählt werden, die wesentlichen und eigenständigen kulturellen Elemente dieser Regionen zu verdeutlichen." (Zitat nach: UNESCO-heute, IV 1993, S. 301-302)
  3. "Historische Kulturlandschaft ist ein als Einheit erlebbarer Teil der Erdoberfläche im Humboldtschen Sinne, ist als Ganzheit geprägt von menschlichen Aktivitäten der Vergangenheit, wobei Flächengröße, Anordnung raumbildender natürlicher Landschaftselemente, Bodennutzung, Siedlungsstruktur und Verkehrswege im Wesentlichen erhalten geblieben sind. Historische Kulturlandschaften geben Zeugnis vom Umgang früherer Generationen mit Natur und Landschaft und vermitteln ein Bild des seinerzeitigen Standes von Wissenschaft und Technik." (Zitat nach: WÖBSE, H. H. (1994): Schutz historischer Kulturlandschaften. Beiträge zur räumlichen Planung 37, Hannover.)

Kulturelles Erbe

Die Kulturgüter (als Bestandteile des Kulturellen Erbes) sind Zeugnisse menschlichen Handelns ideeller, geistiger und materieller Art, die als solche für die Geschichte des Menschen bedeutsam sind und die sich als Sachen, als Raumdispositionen oder als Orte in der Kulturlandschaft beschreiben und lokalisieren lassen. Der Begriff Kulturgut umfasst damit sowohl Einzelobjekte oder Mehrheiten von Objekten, einschließlich ihres notwendigen Umgebungsbezuges, als auch flächenhafte Ausprägungen sowie räumliche Beziehungen bis hin zu kulturhistorisch bedeutsamen Landschaftsteilen und Landschaften. Ebenfalls sind Phänomene, die von volks-, landes- sowie heimatkundlichem Interesse sind und Raumbezug haben, z. B. Pilgerwege, Schlachtfelder, Richtstätten, Tanzplätze etc., zu berücksichtigen. (Zitat nach: Arbeitskreis "Kulturelles Erbe in der Umweltverträglichkeitsprüfung", 1994)

 
Bund Heimat und Umwelt (BHU) - Letzte Änderung: 10.8.2013 - Dirk Lischewski